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Interview mit dem Gründer von Puretreks

„Echte Abenteuer sind nur möglich, wenn man die Komfortzone verlässt…“

 

Jerome, siehst Du Dich eher als Abenteurer oder als Unternehmer?
Eigentlich sowohl als auch. Es ist ja auch schwer zu trennen, weil ich irgendwann meine Passion für Abenteuerreisen zu meinem Beruf gemacht habe. Beides ist wichtig: das Organisatorische im Office und das Unterwegs sein als Guide mit Wandergruppen. Ich versuche, es möglichst ausgewogen zu halten.

Früher warst Du Manager, warum hast Du den Job an den Nagel gehängt?
Weil ich irgendwann merkte, dass das reine Office-Ding nicht mein Leben ist. Oft saß ich mit einer Sehnsucht im Büro, schaute aus dem Fenster in die Welt und dachte mir: Mensch, es gibt da soviel zu sehen und zu erleben, du musst einfach raus!

Du hast mit dem wenig bekannten Land Mauretanien begonnen – warum gerade dort?
In der mauretanischen Sahara war ich schon einige Jahre zu Fuß unterwegs gewesen und so war es dann nur logisch, dort zu starten. Zu jener Zeit, also vor fünfzehn Jahren, entwickelte sich ein erster sanfter Tourismus, der den Mauren eine neue Perspektive und Arbeit brachte. Ich lernte Nomaden wie Sidat kennen und sie haben mich auch ermutigt, Reisen zu organisieren.

Und Sidat ist dann ein guter Freund geworden?
Ja, ich kann mich noch an unsere erste gemeinsame Karawane erinnern. Wir verstanden uns vom ersten Augenblick an prächtig. Über die Jahre ist er dann ein Teil meiner Familie geworden. Er war sogar zweimal zu Besuch, spricht heute fließend deutsch und in den schwierigen Jahren nach der arabischen Revolution, in denen der Tourismus komplett eingebrochen war, habe ich ihn und seine Familie immer unterstützt, weil das für mich absolut selbstverständlich war.

Ich habe gelesen, dass Du den Spitznamen Wüstensohn trägst. Wer gab Dir diesen Namen?
(Lacht) Ja, das ist schon eine komische Geschichte. Die Nomaden, mit denen ich in der Sahara unterwegs war, fanden es wohl beeindruckend, dass sich ein Europäer so sehr für die Wüste begeistert, zu Fuß tausende Kilometer geht und große Wüstenkenntnis besitzt. Irgendwann sagten sie dann zu mir: Jerome, Du bist ein echter Wüstensohn – und von diesem Moment an, nannten mich alle so.

Erzähl etwas über die anderen trockenen, leeren Zonen der Erde. Warum muss man gerade dort wandern und nicht mit dem Auto fahren?
Ich bin ja nicht nur ein Freund der klassischen Bilderbuch-Sandwüste, sondern generell aller leeren und unberührten Flecken auf der Erde. Das kann die mongolische Steppe oder eine Eiswüste sein. Wenn man aus einem Land mit extrem hoher Bevölkerungsdichte kommt, ist es aufregend, eine Woche wandern zu gehen und dabei keinem anderen Menschen zu begegnen. Fast wie auf einem anderen Planeten. Die Stille und Weite dieser Landschaften sind sehr beeindruckend. Das Gefühl der Endlosigkeit des Raums und der persönlichen Entdeckung der Langsamkeit als Wanderer stellt sich für mich aber nur ein, wenn man das Schritt für Schritt erlebt und nicht fährt. Es gibt ja dieses schöne Zitat von Goethe: „Nur wo du zu Fuß warst, bist du auch wirklich gewesen“

Das Wort Abenteuerreise wird heute inflationär verwendet. Was bedeutet es für Dich?
Fast jede nur etwas ungewöhnliche Reise wird mit dem Prädikat „Abenteuer“ vermarktet und gleichzeitig steht dann im Kleingedruckten, dass an Tag X um 19 Uhr Folkloreabend ist… Abenteuer als sauber getaktetes Konsumprodukt. Das ist verrückt. Ich denke, eine Abenteuerreise beinhaltet auch immer etwas Unerwartetes. Zu Zeiten der Entdecker war bei einer Reise vorher nicht klar, wie lange es dauert, wo der Weg lang geht und ob man das Ziel überhaupt erreichen wird. Natürlich halte ich mich auf meinen Reisen an das Kernprogramm, wo und wie lange wir unterwegs sein werden. Aber ich finde es wichtig, im Überraschenden eine Chance zu sehen und neugierig zu bleiben auf die wirkliche Welt außerhalb der Touristenblase. Echte Abenteuer sind nur möglich, wenn man die Komfortzone verlässt und aktiv wird anstatt zu konsumieren.

Bist Du gerne allein auf Wanderung oder lieber mit anderen?
Ich habe Solotouren gemacht, um zu wissen, wie sich das anfühlt. Aber ich muss sagen, dass ich lieber zu zweit oder mit einer Gruppe gehe, da der Austausch mit anderen Reisenden schön ist. Ich mag es, Gruppen zu führen, weil ich immer neugierig bin und mich das Leben anderer Menschen interessiert. Natürlich ist es auch viel spaßiger, mit Gleichgesinnten ums Lagerfeuer zu sitzen, zu reden und zu lachen als allein.

Interview: Roelant Meijer