puretreks

Sarek Winterdurchquerung mit Ski

Nachdem Puretreks 2013 erfolgreich Island mit Ski im Winter durchquert hatte, war für Frühjahr 2017 eine Neuauflage geplant. Schnell war die Gruppe ausgebucht und so fieberten alle gemeinsam der Expeditionsreise entgegen.

Doch der Klimawandel hat anscheinend auch Auswirkungen auf die skandinavischen Winter: Fast täglich verfolgten wir den isländischen Wetterbericht und der verhieß nichts Gutes. Kaum Schneefall und wenn es einmal geschneit hatte, folgte wenig später ein Wärmeeinbruch und ließ das Wenige an Schnee dahinschmelzen.

Einige Wochen vor Tourstart mussten wir dann eine definitive Entscheidung treffen und daher die Islanddurchquerung absagen. Als Alternative hatten wir dafür eine kaum weniger anspruchsvolle Durchquerung des Sarek Nationalparks in Lappland (Nordschweden) ins Auge gefasst und die Teilnehmer waren glücklicherweise mit der Planänderung einverstanden.

So traf sich die Gruppe dann in der zweiten Februarhälfte am Frankfurter Flughafen mit Unmengen Gepäck, Skiausrüstung und den Pulkaschlitten, die uns in den nächsten Wochen für den Transport im Schnee dienen sollten. Von Stockholm ging dann weiter im gemütlichen Nachtzug bis nach Lappland. Dort kamen wir am morgen an und dann ging es nochmal ein paar Stunden per Bus durch verschneite Landschaft bis zu unserem Startpunkt, der STF Hütte in Kvikkjokk.

In der Fjällstation hieß es dann die Unmengen an Proviant, Ausrüstung, Zelte etc. aufzuteilen und die Pulkas zu packen, bevor wir uns mit einem leckeren Abendessen für den Start der Reise nochmal stärkten.

Bei Sonnenschein ging es dann am nächsten Morgen los. Zunächst steil hinauf auf dem Kungsleden, den wir aber schon nach einigen Stunden verlassen würden. Unser erstes Camp lag auf einer kleinen Insel zwischen zwei Seen und die Nachmittagssonne plus Windstille gestalteten das Aufbauen der Zelte einfach. Unser Ziel war es, die Baumgrenze möglichst schnell zu verlassen und dafür wollten wir hinauf zu einer Samensiedlung, wo es sicher einige Schneemobilspuren hin geben müsste. Doch wir fanden keine und das Gelände war so verblockt und dicht bewaldet, dass wir uns für eine Routenänderung entscheiden mussten.

Der Plan war nun, einem Fluss Nordwestwärts zu folgen und so langsam die Baumgrenze zu erreichen, bevor es in die Hochtäler des Sarek gehen würde. Doch auch im äußersten Norden Schwedens spielte das Klima in den Wochen zuvor verrückt: Es gab Wärmeeinbrüche und Plusgrade, wo normalerweise dicke Minusgrade sind. So war der Fluss teilweise nicht zugefroren und wenn man dann auf dem Eis ging und das Rauschen des Wassers unter sich hören konnte, nicht gerade ein vertrauenserweckendes Zeichen!
Zum Glück entdeckten wir eine schwache Schneemobilspur, der wir folgen konnten. Wenn ein Schneemobil nicht einbricht, sollten wir da doch auch hinüberkommen… Doch bog die Spur teilweise in den dichten Wald ab, ging steil über mehr als einen Meter hohe Felsen und im wilden Zickzack durch die Bäume. Ohne viele PS und nur mit Menschenkraft war es eine knallharte Arbeit und wir mussten teilweise um jeden Meter hart kämpfen, die Pulkas fielen ständig um oder rutschten in Löcher, wo sie mühsam hinausgezerrt werden mussten.

Das Vorwärtskommen war deutlich schwerer als gedacht und wir schafften die ersten Tage kaum zehn Kilometer pro Tag – so wird das nichts mit unserem Zeitplan und einer Durchquerung des Sarek! Dann nach dem vierten Tag erreichten wir endlich die Baumgrenze und konnten das erste Mal wirklich geradeaus mit Ski und Pulkaschlitten wandern. Die Landschaft veränderte sich, die Schneemassen wurden hier oben mehr und mehr und der Ausblick auf die grandiosen Berge entschädigte für alle Mühen. Kaum, nachdem wir „oben“ in den Hochtälern des Sarek angekommen waren, verwöhnte uns dann der Wettergott mit tagelangem wolkenlosen Himmel. Das war natürlich herrlich zur Navigation und auch für die Fotografen in der Gruppe. Nur waren die Temperaturen entsprechend kalt, die meisten Nächte weit unter minus Zwanzig Grad und sogar einen Tag kletterte das Thermometer nicht über minus 18° Grad!!!

Die Nächte waren sensationell, denn wir hatten fünf Tage lang Polarlichter und so standen alle nach dem Abendessen Draußen und fotografierten so lange, bis die Finger fast erfroren waren oder die Kamera-Akkus einfach schlapp machten wegen der großen Kälte.

Währen der ersten neun Tage begegneten wir keinem einzigen Menschen und sahen nur wenige Tiere wie einen Vielfraß oder Schneehühner. Erst im Haupt-Tal, was die meisten Wanderer während einer Sarek Wintertour nutzen, trafen wir eine finnische Wandergruppe, die in Richtung Süden unterwegs waren. Dann ging es langsam hinaus aus den Hochtälern des Sarek und mit kleinen Birken, die am Wegesrand standen, erreichten wir wieder die Baumgrenze. Nun hieß es noch einmal einen Tag Skiwandern bis zur gemütlichen Akkastugan Hütte am See Akkajaure. Wir hatten die Hütte ganz für uns allein und einige nahmen sogar eine heiße Sauna mit Blick auf den zugefrorenen See. Am nächsten Morgen dann Endspurt, wo wir einige Stunden über den großen zugefrorenen See gehen mussten, bis wir unser ziel Ritsem erreichten.

Unser Team war müde, stolz und glücklich. Wir hatten eine wirklich anspruchsvolle Wintertour hinter uns, die Island sicher in nichts nachsteht. Und wir hatten riesiges Wetterglück, denn wer hat schon fünf Nächte hintereinander Polarlichter gesehen!

 

Reiseblog: Apfelkuchen in Namibia

oder: einmal durch die Wüste für ein Stück Apple Pie

Vor vielen Jahren, als ich das erste Mal nach Namibia fuhr, führte mich der Weg nach Solitaire. Der Ort Solitaire, 1848 gegründet, ist auf jeder Karte verzeichnet und sozusagen Verkehrsknotenpunkt für alle Reisenden, die von Nord nach Süd bzw. Osten weiter möchten. Und eigentlich ist es gar kein richtiger Ort: Ein kleines Fleckchen mit wenigen Häusern, aktuell ungefähr 90 Einwohnern und vor allem einer Tankstelle.

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Diese war für mich immer der Grund, hier zu halten. Volltanken und dabei im kleinen Lädchen ein kaltes Getränk kaufen. Schon einige Jahre zuvor landete der schottische Konditor Percy „Moose“ McGregor hier in Namibia und fing an, Apfelkuchen zu backen. Inmitten der staubigen Steppe am Rande der Wüste. Und sein „Apple Pie“ war großartig! So großartig, dass er es irgendwann in jeden Reiseführer schaffte als „bester Apfelkuchen in Namibia“ und von da an ging es steil bergauf mit seiner Apfelkuchenkarriere…

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Als ich das erste Mal seinen Apfelkuchen aß, musste er noch im kleinen Tankstellenshop backen, einige Jahre später war er schon in einen größeren Laden umgezogen und erst vor kurzem eröffnete er ein richtiges Café gegenüber der Tankstelle und man sagt, dass er jeden Tag einige hundert! Portionen Apfelkuchen über die Theke reichte.

Auch in diesem Jahr führte mich die Reise Namibia Trekking pur wieder nach Solitaire. Nicht auf direktem Weg, eher das Gegenteil, denn ich durchquerte mit einer Wandergruppe die Namibwüste von der Skelettküste aus und so standen zwischen uns und dem ersehnten Apfelkuchen ca. einhundert Kilometer und viel Wüstensand. Schon am Anfang der Reise schwärmte ich der Gruppe von jenem köstlichen Apfelkuchen vor, am besten frisch aus dem Ofen auf den Teller und gleich warm gegessen… Obwohl wir weiß Gott keinen Verzicht üben mussten auf unserer Wanderung – es gab Barbecue, südafrikanischen Wein und kühles Bier – war der Apfelkuchen in Solitaire jeden Tag ein großes Gesprächsthema.

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Und dann hatten wir die Wanderung geschafft, der Transfer nach Rostock Ritz sollte uns via Solitaire führen und so stand dem verdienten Apple Pie nichts mehr im Weg.

Wir kamen früh an, gingen sofort in die Bäckerei und fanden dort den berühmten Apfelkuchen … aber leider nicht seinen „Erfinder“ Moose. Der Kuchen hatte in berühmt gemacht – und nun sogar überlebt. Percy „Moose“ McGregor starb am 18. Januar 2014 an den Folgen eines Herzinfarktes.

Moose war ein Original, genauso wie seine Desert Bakery. Er machte Solitaire erst zu dem, was es heute ist und deshalb ist sein hübsch geschmücktes Grab keine 50 Meter von seiner Bäckerei entfernt zu finden. Den Apfelkuchen wird es auch in Zukunft geben. Die Reisenden werden sich darüber freuen und Moose wird es mit seinem typischen Lächeln von oben begleiten.

 

Nomaden der Sahara – Der alte Mann und das (Sand)meer

Nomaden der Sahara: Sidi ould Khairy – Der alte Mann und das (Sand)meer

Nomaden der SaharaSidi muss ungefähr Mitte Sechzig sein. So genau weiß das niemand. Seine Mutter sagte einmal, dass er im Jahr der grünen Melonen geboren wurde, einem Jahr mit reichlich Regen, zumindest für Wüstenverhältnisse, der die Melonen in den Wadis Mauretaniens üppig wachsen ließ. Schon als kleiner Junge ist Sidi mit seinem Vater durch die Wüste gezogen und hat das „Handwerk“ eines Nomaden der Sahara von der Pieke auf gelernt. Bevor es Grenzen und Reisepässe gab, zog er mit Kamelen durch eine Region, die von der Größe her ungefähr von Oslo bis Neapel reicht. Er war auf Nomadenmärkten im algerisch-marokkanischen Grenzgebiet bei Tindouf, zog bis nach Timbuktu in Mali, und natürlich kennt er die mauretanische Sahara vom Adrar bis in den Süden ins Tagant wie seine Westentasche.

Noch heute ist er am liebsten draußen in der Wüste unterwegs. Zu Hause bei der Familie in der Oasenstadt Chinguetti, mit allen Annehmlichkeiten wie einem Dach über dem Kopf und sogar Fernsehen, hält er es meist nur wenige Tage aus. Während der Sommermonate zieht er also mit bis zu hundert Kamelen in den Süden des Landes, immer auf der Suche nach Weideplätzen, wandert sozusagen den regionalen Regenfällen hinterher. Im Winter arbeitet Sidi seit Jahren für mich als Kamelführer für Karawanenreisen und beeindruckt uns jedes Mal aufs Neue mit seinem fantastischen Orientierungssinn, den wohl nur noch die alten Nomaden der Sahara besitzen. Selbst einsamste Wasserstellen, die in völlig gleichförmiger Dünenlandschaft mehrere Tagesreisen voneinander entfernt liegen, findet er aufs Grad genau. Und das ohne Karte, Kompass oder gar Satellitennavigation.

Maure mit Karawane in der SaharaSidi ist Nomade aus Passion, oft sitzt er schweigsam vor dem Zelt, trinkt maurischen Minztee und repariert dabei das Zaumzeug seiner Kamele.  Nur manchmal, in seltenen Momenten, sprüht er vor Erzähllust, lacht selbst über seine Lagerfeuergeschichten, die vom abenteuerlichen Leben in der Sahara berichten. Menschen wie Sidi ould Khairy werden aussterben. Sein ältester Sohn ist gerade 15 geworden und war zum ersten Mal mit ihm in der Wüste. Es hat dem Jungen nicht gefallen. Gegen ein schützendes Dach über dem Kopf und die Flimmerkiste hat die raue Wüste heute wohl kaum noch eine Chance…

Mauretanien – unbekanntes Reiseland

Saharareise MauretanienMauretanien ist für die meisten ein weißer Fleck auf der Karte, ein absolut unbekanntes Reiseland und obwohl eigentlich jeder schon einmal von den Mauren in Südspanien gehört hat, weiß niemand, wo sich deren Herkunftsgebiet befindet.

Mauretanien liegt in Westafrika, südlich von Marokko bzw. der Westsahara und nördlich vom Senegal. Es liegt einerseits direkt am Atlantik und andererseits bestehen mehr als 90% des Landes aus Sahara. Reisen nach Mauretanien sind nicht einfach, touristisch ist das Land bis heute weitestgehend unberührt. Die Infrastruktur ist entsprechend rudimentär und so sollte der Reisende eine ordentliche Portion Entdeckergeist und Flexibilität mitbringen.

Meine Liebe zu Mauretanien ist schon alt und – ich gebe es zu – es hat etwas Zeit gedauert, um dort anzukommen. Meine ersten Wüstenreisen habe ich hier schon Ende der 1990er Jahre unternommen und Schritt für Schritt die Adrar-Region und vor allem ihre Menschen kennenlernen dürfen.

Seit 2003 fanden pro Saison mehr als ein dutzend Wüstenreisen meiner Agentur statt, ich lebte (wenn man alle Aufenthalte zusammenrechnet) einige Jahre hier bis es dann ab 2009 durch Terrorismus und später dem Mali-Konflikt immer schwieriger wurde, Reisen durchzuführen. Seit zwei Jahren hat sich die Sicherheitslage in Mauretanien jedoch spürbar verbessert. Die Regierung hat große Anstrengungen unternommen, um ehemals rechtsfreie Saharabereiche im Osten gut durch Militär und Polizei abzusichern. Meine letzte Reise liegt schon länger zurück, höchste Zeit also, meine Nomadenfreunde und das mir so ans Herz gewachsene Land wieder einmal zu besuchen und mir ein Bild der aktuellen Lage zu machen.

Wer mit dem Flugzeug anreist, muss in jedem Fall über die Haupstadt Nouakchott ins Land kommen. So taten auch wir es. Mit dabei waren Henry und Peggy, zwei Freunde aus Berlin.

mauretanien-maureSchon am Flughafen erwartete uns Sidat, der schon lange mehr als nur ein Mitarbeiter von mir ist – wir kennen uns seit Ewigkeiten und er ist wie ein Bruder für mich. Die geplante Route führte zunächst entlang der Atlantikküste. Mit dem Wagen, denn die Strecke würde zu Fuß einfach zu lange dauern und wir haben ja nur 10 Tage Zeit mitgebracht. Ziel war es, die nördlichen Küstenabschnitte kennen zu lernen und vor allem zu schauen, ob eine große Expeditionsreise von der Wüste bis zur Küste machbar wäre. In Mauretanien gehen die Dünen der Sahara teilweise direkt bis ans Meer heran und das ist natürlich ein besonderes Erlebnis, wenn man nach 400 Kilometern Fußmarsch mit den Kamelen direkt am Atlantik ankommt! Soweit die Theorie. In der Praxis stellt sich zumindest die Küste als reizvoll dar. Die Imragen, maurische Fischleute mit ihren Piroggen, sind hier noch zahlreich unterwegs und die Dünen branden auch sehr fotogen ins grünlich schimmernde Meer. Aber leider sind die ersten 250 Kilometer von der Küste ins Landesinnere hinein vollkommen eintönige Mondlandschaft. Hier mit den Kamelen langzugehen würde einer Strafkompanie gleichkommen. Mein Traum von einer großen Expedition von der Sahara bis ans Meer ist also geplatzt!

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Etwas frustriert geht es dann zwei Tage lang weiter ins Zentrum des Landes. Neues  Ziel ist nun die Region Amatlich. Dies ist ein kleines Dünengebiet, welches von schwarzen Tafelbergen umschlossen ist. Dort war ich noch nie gewesen und hatte schon viel darüber gehört. Als wir das Amatlich dann erreichen, sind wir restlos begeistert: Hohe, pastellgelbe Dünen, kontrastreiche Felsformationen und kleine Palmenoasen… Das ist mal ne echte Bilderbuchwüstenlandschaft!! Wir übernachten dann am nördlichen Rand der Dünen, unter uns in der Senke einige Oasengärten und Palmen. Zwei kleine Jungen kommen vorbei, setzen sich zu uns ans Feuer und verkaufen uns Wassermelonen – die jedoch ihre beste Zeit schon hinter sich haben und innen halb vertrocknet sind. mauretanien-amatlichAm nächsten Tag dann Abschied vom Amatlich, das mir so ans Herz gewachsen ist, dass ich mit Sidat hier eine neue Karawanenreise für Ende 2014 planen werde. Es geht weiter nach Terjit. Diesen surrealen Ort habe ich vor knapp 15 Jahren entdeckt. Tief in einem Canyon tropft hier unter Schatten spendenden Palmen kühles! Wasser aus dem Fels. Es ist ein traumhafter Ort, selbst im unbarmherzigen Saharasommer immer einige Grad kälter als „draußen“ und eine echte Oase zum Überleben…

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Dann fahren wir nach M´hairet, die Oase, wo Sidat herkommt. Hier lebt noch ein Teil seiner Familie und sie haben einen Palmengarten, der jedes Jahr einige hundert Kilo Datteln bringt. Peggy ist emotional so ergriffen, endlich ins Sidats Heimat zu sein – von der sie unendlich viel gehört hat – dass ihr bei einem Spaziergang durch den Garten die Tränen über die Wangen kullern.

Am Abend kommen wir in Chinguetti an. Viel hat diese antike Karawanenstadt schon erlebt in den letzten Jahrhunderten. Im 12. Jahrhundert gegründet, war es im Mittelalter eine blühende Handelsmetropole und Karawanen mit vielen tausend Tieren kamen hierher. Das nicht nur Handel von Waren, sondern auch Wissenstransfer erfolgte, davon zeugen noch heute die kleinen Bibliotheken, wo teils 900 Jahre alte Manuskripte liegen. Heute leben in Chinguetti vielleicht 2500 Menschen und alles wirkt sehr verschlafen und verstaubt.

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Am nächsten Morgen geht es endlich hinaus in die Wüste. Zusammen mit Sidi, der Nomadenlegende und vier Kamelen werden wir einige Tage durch die hohen Dünen des Erg Ouarane wandern. Ich kenne die Region wie meine Westentasche aber diesmal sieht alles doch anders aus: Es hat im letzten Jahr sehr viel geregnet im Land und so sind selbst die Dünen von vielen Wüstenblumen ungewohnt grün. Wir genießen den Rhythmus des Wanderns, machen kurze Etappen und kommen immer früh am Nachplatz an. So haben wir Zeit, um Feuerholz zu sammeln, am Abend dann stundenlang bei maurischem Tee am Lagerfeuer zu sitzen, Brot im Sand zu backen und die Augen dann in den funkelnden, mondlosen Sternenhimmel zu richten und auf Sternschnuppen zu warten…

mauretanien-karawaneEs ist schön, wieder „Daheim“ zu sein. Es ist schön, endlich wieder die alten Nomadenfreunde um sich zu haben. Und noch schöner ist es, dass ab dem Winter 2014 Mauretanien wieder als Reiseland im Programm sein wird. Sidat und alle Freunde lebten viele Jahre gut vom sanften Wander-Tourismus und waren immer so ungemein Stolz, Besuchern ihr phantastisches Land zu zeigen… Es wird Zeit, dass es wieder losgeht!

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Einblick in das Leben in Mauretanien: https://perspektivenwechseln.net/2017/05/19/gastbeitrag-mauretanien/

Trekking ins Leere Viertel – Wüstenwandern im Oman

wuestenwandern-omanMüde kommt eine bunt zusammengewürfelte Truppe morgens um halb Vier am Flughafen von Salalah an. Hinter ihr liegt eine ca. 12-stündige Anreise und der deutsche Winter. Kälte werden wir die nächste Zeit nicht erleben, eher Sonne satt und wüstenmäßige Temperaturen.

Einen Tag zur Akklimatisation haben wir und nutzen ihn für ein Bad im Indischen Ozean, etwas Shopping und ein vorzügliches Abendessen in einem libanesischen Restaurant in Salalah.

Dann geht es los. Amur, unser Partner im Oman und seine zwei Mitarbeiter Ali und Ali fahren mit uns in die Wüste, in das Herz der Rub al Khali im Dreiländereck zwischen Oman, Saudi Arabien und dem Jemen. Kurz vor Erreichen des ersten Nachtlagers schmiert ein Toyota im weichen Sand ab, driftet in ein Sandloch und droht umzukippen.  Seine Schieflage ist beängstigend und ich denke, „dass war es für heute – werden wir wohl hier unser Camp aufschlagen müssen!“ Aber nichts da: Der jüngere Ali (wir nennen ihn Ali Wahibi, da er aus der Wahiba Wüste kommt) ist der absolute Chef im Sand. Er manövriert den Wagen in kurzer Zeit aus dem Loch und so kann es doch noch weiter gehen.

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Am nächsten Morgen startet dann das Trekking ins Leere Viertel. Wir werden 8 Tage lang pro Etappe ca. 20 Kilometer durch die Rub al Khali. Die größte Sandwüste unserer Erde, Wüstenwandern und die Begleitfahrzeuge unsere Wasservorräte, Proviant und Ausrüstung transportieren. Mit den Beduinen ist vereinbart, dass sie eine andere Strecke als wir fahren, so dass wir sie nur in den Camps sehen und tagsüber autark unterwegs sind.

Die erste Etappe ist zum Eingewöhnen, denn das gehen im Sand ist ja für die meisten der 11 Teilnehmer völlig neu. So ziehen wir nordwärts durchs Leere Viertel – das seinen Namen wirklich verdient, da hier durch mangelnde Wasserstellen kaum ein Bedu lebt. Am Nachmittag erreichen wir dann unser Camp und Amur erzählt, dass sie in der Nähe doch ein Beduinenzelt sahen, wo 5 Nomadenkinder im Alter von 7-13 Jahren ganz allein lebten. Ihre Eltern waren für eine Woche unterwegs und die Kids mussten derweil auf die Kamele aufpassen. Kann man sich bei uns gar nicht vorstellen – aber der Alltag der Beduinen ist halt anders als in der Zivilisation!

Unser diesmaliges Trekking ins Leere Viertel sollte ungewöhnlich werden. Entgegen der üblichen Tagestemperaturen von 25-28 Grad, hatten wir einige Tage locker über 30 Grad im Schatten – den es außer am Camp natürlich nicht gibt! Entsprechend anstrengend war das Wüstenwandern zwischen 12-15 Uhr, besonders, wenn mal kein Lüftchen wehte…

regenwolken-wuesteAm vierten Tag dann Bewölkung, die von Nordwesten her immer dichter und dunkler wird. Es fallen sogar einige Regentropfen aber für einen anständigen (kühlenden) Regenguss reicht es leider nicht!

Unsere Bedu hatten ein Händchen für besonders schöne Lagerplätze. Oft suchten sie ganz oben in einem Dünenfeld eine Stelle. „Hotel zur schönen Aussicht“ könnte man dazu sagen! Einziger Wermutstropfen ist dabei natürlich der letzte Anstieg mit müden Knochen zum Camp. Das wäre unten am Fuß der Düne sicher einfacher – aber eben auch nur halb so schön.

Die Stunden nach der Ankunft am Lager bis zum Abend hatte jede/r für sich. Zum Spazierengehen, Fotografieren oder einfach nur den Sonnenuntergang mit Panoramablick über die endlose Rub al Khali vom Dünengrat aus bestaunen. Und dann unser tägliches Highlight: Das Abendessen. Ich habe selten sooo viel frischen Salat in einer Wüste gegessen, wie hier! Einige Tage gab es Fleisch (Kamel) und ansonsten viel gut gewürztes Gemüse auf omanische Art. Unmengen haben wir alle verputzt, wir brauchten ja Energie für die nächste Etappe. Nach dem Essen dann Geschirr im Wüstensand „abwaschen“ (was erstaunlich einfach und gut funktioniert) und dann ums Lagerfeuer setzen, die Sterne über einem und dazu unzählige Gläser süßen Tees mit frischem Ingwer drin. Und dabei wurde viel geredet, viel gelacht, die Beduinen erzählten aus ihrem Leben und wir von uns. So erfuhren wir, dass Ali Wahibi  15 Rennkamele besitzt, Ali Salalah (der Ältere) aus dem Dhofargebirge kommt und dort einen Dialekt spricht, den nicht einmal Amur versteht.

sandsturm-rubalkhali-omanNur am siebten Abend war die Unterhaltung etwas reduzierter, da uns passend zum Abendessen ein kleiner Sandsturm heimsuchte. Der blieb pünktlich bis 22 Uhr und das Essen war diesmal auch lecker aber etwas sandiger als sonst. So hatten alle zumindest einen kleinen Eindruck, wie sich ein echter Sandsturm in der Wüste anfühlt.

Am letzten Abend in der Wüste dann wieder Traumwetter. Ein tolles Abendlicht treibt fast alle nochmal auf die hohe Düne am Lager und so ist dieser Moment ein passender Abschluss für eine wunderbare Wüstenreise mit einer sehr lustigen und netten Gruppe.

Nur eine Sache hätte ich uns gern erspart: Ich gebe allen Teilnehmer vor dem Wüstenwandern immer ein Briefing, was es zu beachten gibt in der Wüste und die Verhaltensregeln. So sage ich auch: Im Dunkeln NIE ohne Sandalen und Lampe unterwegs sein… und was passiert? Nach zehn Jahren Wüstenreisen und ca. 1500 Teilnehmern tritt heute das erste Mal eine Teilnehmerin auf einen Skorpion. Sie war Barfuss und ohne Lampe unterwegs! Hatten wir sonst durch die kühlen Temperaturen nie irgendwelche Tiere gesehen, ist diesmal durch die ungewöhnliche Wärme auch in der Nacht wohl mehr los… Die meisten Skorpionstiche sind zum Glück nicht tödlich, sondern nur wie en starker Wespenstich – aber auch diese Schmerzen hätte man sich sparen können! Zum Glück passiert es am Abend der letzten Etappe vom Trekking ins Leere Viertel und schon 24h später kann unsere Teilnehmerin schon wieder ganz normal und schmerzfrei gehen.

Bie beschriebene Wanderreise Trekking ins Leere Viertel finden Sie unter dem folgenden Link: http://puretreks.de/reise/?trekking=2

Zur Inspiration finden Sie hier weitere Reiseblogs über den Oman:
2-wöchige Rundreise: https://viel-unterwegs.de/oman-rundreise-mietwagen/
48 Stunden in Muscat: https://www.travelita.ch/top-tipps-48-stunden-in-muscat/
1001 Nacht in der Altstadt von Maskat: http://www.woanderssein.com/2014/05/03/oman/6063/1001nacht-altstadt-maskat/
Warum diese Welt doch offen und tolerant ist: http://antonsganzewelt.de/oman-statement-warum-diese-welt-doch-offen-und-tolerant-ist/
Backpacking im Oman: http://www.happybackpacker.de/reiseberichte/backpacking-oman/
Noch ein Hauch von 1001 Nacht: http://alwaysonthemove.de/oman-ein-hauch-von-1001-nacht/
Wüstenfahrt durch den Oman: https://www.nunu-reist.at/2017/01/09/wilde-w%C3%BCstenfahrt-durch-den-oman/
Fähre von Khasab nach Maskat: http://www.weltenstreuner.de/2013/11/faehre-von-khasab-nach-maskat/
Busfahren im Oman: http://the-worldtraveler.com/eine-busfahrt-die-ist-lustig-besonders-nachts.html
7 Kuriositäten, die nicht im Reiseführer stehen: http://www.hiddengem.de/oman-7-kuriositaeten-die-nicht-im-reisefuehrer-stehen/
Das freundlichste Land Arabiens: http://www.kleinerelefant.com/das-freundlichste-land-arabiens-ein-20-stunden-stopover-im-oman/
Sindbad is calling: https://picturetravelling.com/2016/05/30/sultanat-oman-29-04-2016-12-05-2016/

Ein Abend mit Nomaden der Sahara

nomaden-der-wuesteBald ist es Nacht geworden, das Feuer erhellt unseren Lagerplatz und gleicht einem Leuchtturm im endlosen dunklen Ozean aus Sand. Da dauert es nicht lange, bis wir wieder Besuch bekommen. Fast zeitgleich kommen zwei Männer an unserem Camp an: Ein älterer, zahnloser und ein jüngerer mit heiserer Fistelstimme. Beide sind nicht aus dieser Region, kommen von weit her. Lustige Gesellen. Das wird wieder ein interessanter Abend mit Nomaden der Sahara denke ich mir und atürlich gibt es auch jetzt die obligatorische Teezeremonie, Gastfreundschaft muss sein! Kekse und Nüsse werden gereicht, erst höflich abgelehnt und dann doch in Unmengen verputzt. Dabei spricht man über das woher und wohin, über Regenfälle, Brunnen und andere Nomaden. Beduinenlatein eben. Es wird geprahlt, ausgeschmückt, zwischendurch die Ziegen nachtsicher vor den Schakalen angepflockt, gelacht, gelacht, gelacht…Und wenn die drei Tee herum sind, gibt es halt drei neue Runden.

Die Sterne funkeln über uns am mondlosen Himmel und die Temperaturen fallen schnell. Noch näher rückt man ans Feuer, reicht Teeglas um Teeglas, klopft sich gegenseitig beim Erzählen auf die Schenkel…

Dann Abendessen. Alle aus einem Topf. Mit der rechten Hand. „Bismillah“ wird sich zugerufen, Gott vergelt´s und los geht´s unter lautem Schmatzen und Schlürfen bis der große Pott leer ist und als Zeugnis des wahrhaft guten Mahls wird hernach üppig aufgestoßen und lustvoll die Finger – einer nach dem anderen – abgeschleckt. Noch einen Tee oder zwei und dann geht es ins Bett, was hier aber nur aus einer Decke auf dem harten Sand besteht – und reichen muss.

So karg gebettet, können zwei Grad am Morgen ziemlich ungemütlich sein! Deshalb trifft man sich schon vor Sonnenaufgang wieder am wärmenden Feuer, trinkt (natürlich) Tee bevor sich die illustre Runde in alle Himmelsrichtungen zerstreut. Ma´assalama! Vielleicht bis Bald, in einem Jahr oder zweien? Sicher ganz woanders in dieser unendlich großen Wüste – oder vielleicht auch nie wieder. Nomadenschicksal eben.