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Nomaden der Sahara – Der alte Mann und das (Sand)meer

Nomaden der Sahara: Sidi ould Khairy – Der alte Mann und das (Sand)meer

Nomaden der SaharaSidi muss ungefähr Mitte Sechzig sein. So genau weiß das niemand. Seine Mutter sagte einmal, dass er im Jahr der grünen Melonen geboren wurde, einem Jahr mit reichlich Regen, zumindest für Wüstenverhältnisse, der die Melonen in den Wadis Mauretaniens üppig wachsen ließ. Schon als kleiner Junge ist Sidi mit seinem Vater durch die Wüste gezogen und hat das „Handwerk“ eines Nomaden der Sahara von der Pieke auf gelernt. Bevor es Grenzen und Reisepässe gab, zog er mit Kamelen durch eine Region, die von der Größe her ungefähr von Oslo bis Neapel reicht. Er war auf Nomadenmärkten im algerisch-marokkanischen Grenzgebiet bei Tindouf, zog bis nach Timbuktu in Mali, und natürlich kennt er die mauretanische Sahara vom Adrar bis in den Süden ins Tagant wie seine Westentasche.

Noch heute ist er am liebsten draußen in der Wüste unterwegs. Zu Hause bei der Familie in der Oasenstadt Chinguetti, mit allen Annehmlichkeiten wie einem Dach über dem Kopf und sogar Fernsehen, hält er es meist nur wenige Tage aus. Während der Sommermonate zieht er also mit bis zu hundert Kamelen in den Süden des Landes, immer auf der Suche nach Weideplätzen, wandert sozusagen den regionalen Regenfällen hinterher. Im Winter arbeitet Sidi seit Jahren für mich als Kamelführer für Karawanenreisen und beeindruckt uns jedes Mal aufs Neue mit seinem fantastischen Orientierungssinn, den wohl nur noch die alten Nomaden der Sahara besitzen. Selbst einsamste Wasserstellen, die in völlig gleichförmiger Dünenlandschaft mehrere Tagesreisen voneinander entfernt liegen, findet er aufs Grad genau. Und das ohne Karte, Kompass oder gar Satellitennavigation.

Maure mit Karawane in der SaharaSidi ist Nomade aus Passion, oft sitzt er schweigsam vor dem Zelt, trinkt maurischen Minztee und repariert dabei das Zaumzeug seiner Kamele.  Nur manchmal, in seltenen Momenten, sprüht er vor Erzähllust, lacht selbst über seine Lagerfeuergeschichten, die vom abenteuerlichen Leben in der Sahara berichten. Menschen wie Sidi ould Khairy werden aussterben. Sein ältester Sohn ist gerade 15 geworden und war zum ersten Mal mit ihm in der Wüste. Es hat dem Jungen nicht gefallen. Gegen ein schützendes Dach über dem Kopf und die Flimmerkiste hat die raue Wüste heute wohl kaum noch eine Chance…