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Ein Abend mit Nomaden der Sahara

nomaden-der-wuesteBald ist es Nacht geworden, das Feuer erhellt unseren Lagerplatz und gleicht einem Leuchtturm im endlosen dunklen Ozean aus Sand. Da dauert es nicht lange, bis wir wieder Besuch bekommen. Fast zeitgleich kommen zwei Männer an unserem Camp an: Ein älterer, zahnloser und ein jüngerer mit heiserer Fistelstimme. Beide sind nicht aus dieser Region, kommen von weit her. Lustige Gesellen. Das wird wieder ein interessanter Abend mit Nomaden der Sahara denke ich mir und atürlich gibt es auch jetzt die obligatorische Teezeremonie, Gastfreundschaft muss sein! Kekse und Nüsse werden gereicht, erst höflich abgelehnt und dann doch in Unmengen verputzt. Dabei spricht man über das woher und wohin, über Regenfälle, Brunnen und andere Nomaden. Beduinenlatein eben. Es wird geprahlt, ausgeschmückt, zwischendurch die Ziegen nachtsicher vor den Schakalen angepflockt, gelacht, gelacht, gelacht…Und wenn die drei Tee herum sind, gibt es halt drei neue Runden.

Die Sterne funkeln über uns am mondlosen Himmel und die Temperaturen fallen schnell. Noch näher rückt man ans Feuer, reicht Teeglas um Teeglas, klopft sich gegenseitig beim Erzählen auf die Schenkel…

Dann Abendessen. Alle aus einem Topf. Mit der rechten Hand. „Bismillah“ wird sich zugerufen, Gott vergelt´s und los geht´s unter lautem Schmatzen und Schlürfen bis der große Pott leer ist und als Zeugnis des wahrhaft guten Mahls wird hernach üppig aufgestoßen und lustvoll die Finger – einer nach dem anderen – abgeschleckt. Noch einen Tee oder zwei und dann geht es ins Bett, was hier aber nur aus einer Decke auf dem harten Sand besteht – und reichen muss.

So karg gebettet, können zwei Grad am Morgen ziemlich ungemütlich sein! Deshalb trifft man sich schon vor Sonnenaufgang wieder am wärmenden Feuer, trinkt (natürlich) Tee bevor sich die illustre Runde in alle Himmelsrichtungen zerstreut. Ma´assalama! Vielleicht bis Bald, in einem Jahr oder zweien? Sicher ganz woanders in dieser unendlich großen Wüste – oder vielleicht auch nie wieder. Nomadenschicksal eben.

Sicherheit auf Wintertouren

sicherheit-wintertourenIm Dezember 2013 waren Martin Hülle und ich in Lappland in der Polarnacht unterwegs, um den berühmtesten Wanderweg Schwedens, den Kungsleden, für spätere Touren zu testen.

Die Saison hier startet eigentlich erst Mitte Februar und so waren alle Hütten bis auf Winternoträume verschlossen. Auch das Tageslicht war sparsam, gerade mal 4 Stunden konnte man ohne Stirnlampe etwas sehen. Entsprechend einsam erlebten wir die phantastische Winterlandschaft und nur einmal begegneten uns andere Menschen – zwei Samen, die mit Schneemobilen eine kleine Herde Rentiere über den Tjekktja-Pass trieben. Unsere lokalen Partner wiesen uns im Vorfeld deutlich auf die anspruchsvolle Unternehmung hin, denn Nordschweden im Winter ist nicht zu unterschätzen. Wir erlebten dann auch Temperaturen von bis zu minus 38,5 Grad. Um so überraschter waren wir am vorletzten Tag der Tour in der Kebnekaise Fjallstation. Wir hatten es uns bereits im Winterraum der Hütte gemütlich gemacht, als am Nachmittag eine Schwedin die Hütte betrat. Sie war am frühen Morgen von Nikkaluokta aus gestartet und die 20 Kilometer bis hierher ohne Ski oder Schneeschuhe zu Fuß gegangen. Auch wir hatten am Tag zuvor beim Abstieg von der Singi-Hütte auf den letzten zwei Kilometern schon mit wenig Schnee zu kämpfen gehabt, also musste weiter unten im Tal noch weniger liegen.

Die Schwedin erzählte uns, sie hätte meist die feste Spur eines Schneemobils genutzt und sei so gut bis zur Hütte gekommen. Dann packte sie ihren Rucksack aus… darunter einen klassischen Wasserkocher mit Stromkabel! Eine kleine, etwas undichte Thermoskanne etc. Wir staunten nicht schlecht, vor allem als sie uns dann erzählte, sie wolle morgen weitergehen über den Pass nach Singi und ob es dort auch Strom gäbe? Wir verneinten das und ebenso, dass es dort keine Heizung mehr hat und der Notraum durch einen Holzofen erwärmt werden muss… Ob sie in der Lage sei, einen Ofen anzuschüren? Ja, das wird schon gehen… Sie hatte einen eher dünnen Schlafsack dabei und würde das Feuer brauchen, um die Minusgrade in den Noträumen in angenehme Temperaturen zu verwandeln.

Im weiteren Gespräch stellte sich heraus, dass sie aus Südschweden kommt, einmal hier in dieser Hütte im Sommer gewesen war und auch sonst keine Erfahrung mit Wintertouren hatte. Wenn ich so zurückdenke, wie viele Jahre und Touren in Norwegen, Grönland, Island etc. es gebraucht hat, um sich wirklich als erfahren einzuschätzen – uns wurde ganz anders!

Leider sterben jedes Jahr zu viele Menschen in den rauen Wintern Skandinaviens, dweil sie sich nicht mit dem Thema Sicherheit auf Wintertouren auseinandersetzen. Es sind beileibe nicht nur Touristen, sondern auch Einheimische, die die Grundregeln für eine sichere Wintertour missachten und so den eisigen Tod finden.

Unsere Schwedin hatte kaum eine der Regeln befolgt.  So war sie

-allein unterwegs
-völlig unerfahren
-nicht in der Lage, mit Kompass und Karte zu navigieren -> hatte beides auch nicht dabei!
-schlecht und völlig ungenügend ausgerüstet
-nicht informiert, nutzte also nicht die zur Verfügung stehenden Mittel (z.B. Internet, Wanderverein), um sich wertvolle Informationen über die Strecke, Hütten, Anforderungen im Vorfeld einzuholen.

Wer sich abseits des Massentourismus bewegt (und das gilt ganz besonders für Touren in einsame Winterregionen) braucht beste Erfahrung, Ausrüstung und perfekte Routenplanung. Gute Ausrüstung kostet Geld, penible Planung Arbeit und Erfahrung leider viel viel Zeit. Trotzdem kann natürlich auch ein Neueinsteiger auf Wintertour gehen. Entweder man testet sich dann gefahrlos in bewohnten Regionen auf kurzen Trips z.B. mit erst nur einer Übernachtung allmählich an die eigenen Grenzen heran. Wer wenig Erfahrung besitzt und trotzdem anspruchsvolle Routen in abgeschiedene Regionen gehen will, muss sich eben erfahrene Reisepartner suchen oder bei einem Reiseveranstalter wie Puretreks buchen.

Wir versuchten übrigens mit allen guten Argumenten, sie von der Weiterreise abzubringen. Wir erklärten ihr, in welche Schwierigkeiten sie kommen kann, vom Einbrechen durch nicht tragfähige Schneebrücken in eiskalte Bäche, bis hin zum hüfttief im Schnee Feststecken, wo 50 Meter Strecke eine halbe Tagesaufgabe sind… aber es war zwecklos! Mehr als ein Kopfschütteln und die Hoffnung, dass das alles gut gehen möge, blieb uns am Ende nicht übrig…

Welche Schuhe für die Wüste ?

wuestenschuhOft werden wir gefragt, welche Schuhe zieht man am besten auf einer Wüstenreise an?
Wüstentouren stellen andere Anforderungen an die Ausrüstung als z.B. eine Bergwanderung.

Ich möchte hier über den besonderen Einsatz in der Sandwüste/ Dünengebiete schreiben.

Fast jedes Outdoorgeschäft bietet mittlerweile spezielle Wüstenschuhe an. Diese zeichnen sich meist durch einen hohen Schaft, und bessere Atmungsaktivität als der klassische Bergwanderschuh aus. Doch worauf kommt es nun wirklich bei einem Schuh für die Sandwüste an, Braucht man tatsächlich ein spezielles Modell? Auf mehr als 25.000 Kilometern habe ich in den letzten Jahren unterschiedlichste Schuhe ausprobieren können und natürlich waren unsere Reiseteilnehmer auch gute Testpersonen, die uns ihr Feedback geben konnten. Nachfolgend nun unsere Empfehlung, welche Schuhe für die Wüste geeignet sind:

Zwei paar Schuhe reichen aus. Zum einen (Trekking-)Sandalen und natürlich noch Schuhe zum Wandern.

Sandalen
Braucht man für die Stunden am Camp, wenn es keine allzu große Schlangengefahr gibt und kann man auch zum Wandern nehmen, wenn man ohne schweren Rucksack unterwegs ist. Möchte man mit den Sandalen auch tagsüber wandern, empfehlen sich richtige Trekkingsandalen, die fest am Fuß sitzen. Die meisten bekommen am Anfang schnell wunde Füße, da der Sand unmerklich den ganzen Tag reibt. Als kleiner Trick kann man die Sandalen mit Socken anziehen. Sinnvoll ist es auch, am Anfang nur stundenweise mit Sandalen zu gehen.

Wanderschuhe
Sie haben vor, öfters in die Wüste zu gehen? Dann lohnen sich richtige Wüstenschuhe. z.B. Garmont Téneré, Meindl Safari, Lowa Zephyr, Aigle Téneré, Aku Petra… Diese Modelle unterscheiden sich in der Schafthöhe und Flexibilität.

Wer schon „klassische“ Wanderstiefel zu Hause hat, kann diese natürlich nehmen, sofern es nicht gerade steigeisenfeste Bergschuhe fürs Hochgebirge sind. Normale Wanderschuhe der Kategorie A bis B sind meist gut geeignet. Viele Wanderschuhe sind heute mit Gore-Tex-Membrane, was in der Wüste keiner braucht… In jedem Fall sollten die Schuhe mindestens über den Knöchel gehen!

Ein hoher Schaft ist in der Wüste aus zwei Gründen wichtig: 1. Treffen fast alle Schlangenbisse das Opfer in einer Höhe bis zu 30 Zentimetern. 2. Verhindert ein hoher Schaft das Eindringen von Sand. In mehr als 20 Jahren und unzähligen Wüstenreisen haben wir keinen einzigen Angriff einer Schlange erleben müssen also ist das tägliche Problem, Sand in den Schuh zu bekommen fast größer! Genauso wichtig, wie die Höhe des Stiefels ist die Hosenlänge – Wenn diese möglichst lang und unten nicht zu weit ist, wird kaum Sand in die Schuhe gelangen. Wer mit kurzen Hosen in der Sandwüste gehen möchte, sollte unbedingt Gamaschen über den Schuh ziehen, die oberhalb des Schaftes eng am Bein abschließen. Goretrex-Gamaschen oder mit ähnlichen wasserdichten Materialien taugen nichts, da deutlich zu schweißintensiv!

Seit einigen Jahren gibt es Trailrunningschuhe am Markt. Diese haben meist Meshfutter und sind dadurch nicht für den Einsatz im Wüstensand geeignet, denn der Sand dringt zwischen die Obermaterialschichten, macht den Schuh immer kleiner und somit untragbar!

Genauso wichtig, wie der Schuh, sind übrigens auch die Wandersocken. Hier haben sich Modelle aus Funktionsfaser bzw. Merinowolle bewährt. Es gibt eine große Auswahl im Fachhandel. Pro Reisewoche zwei bis drei Paar sind ausreichend.

Neue Wanderschuhe sollten unbedingt einige Wochen vor der Reise gekauft und vorher eingelaufen werden! Beim Kauf darauf achten, dass die Schuhe mit den Socken anprobiert werden, die dann auch bei der Wanderung zum Einsatz kommen!