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Welche Kleidung für eine Wüstenwanderung?

Für eine Wüstenwanderung ist lange, leichte und funktionale Kleidung meist sinnvoller als kurze oder sehr dünne Freizeitkleidung. Gute Wüstenkleidung schützt nicht nur vor Sonne und Hitze, sondern auch vor Wind, Sand und kühlen Morgen- und Abendstunden. Entscheidend sind Material, Schnitt und ein sinnvolles Schichtsystem.

Wüstenexperte Jerome Blösser schreibt hier über die richtige Kleidung für das Wüstenwandern. In diesem Artikel erfährst du, welche Kleidung tagsüber sinnvoll ist, was du für kalte Nächte brauchst und welche Fehler viele Einsteiger machen.

Welche Wüstenkleidung ist tagsüber praktisch

In der Wüste geht es nicht darum, möglichst wenig Stoff zu tragen, sondern möglichst sinnvoll geschützt zu sein.

Lange oder kurze Kleidung für die Wüste

Bei einem Strandurlaub ist die Kleiderfrage meist einfach: luftige, kurze Kleidung, man hat Sonne aber zwischendurch auch mal Schatten. In der Wüste ist das anders. Dort findet das Leben fast nur draußen statt, und die intensive Sonne begleitet einen vom Morgen bis zum Abend. Braun zu werden ist hier zweitrangig – wichtiger ist, gesund zu bleiben. Nicht ohne Grund tragen Nomaden seit jeher lange, den Körper bedeckende Kleidung. Davon kann man lernen.

Lange Hosen haben für uns Wüstenwanderer noch einen weiteren wichtigen Vorteil: Nomaden gehen oft barfuß oder in Sandalen, weil ihre Füße an Hitze und rauen Untergrund gewöhnt sind. Wir dagegen tragen im Alltag fast immer Schuhe und haben entsprechend empfindliche Fußsohlen. Deshalb sind wir auf Schuhe angewiesen. Beim Wandern in Sanddünen, besonders beim Abstieg über weiche Hänge, sinkt man oft knöcheltief ein. Mit kurzen Hosen gerät dabei ständig Sand in die Schuhe. Man muss immer wieder anhalten und sie ausleeren. Das ist lästig und bremst die Gruppe. Deshalb gehören lange Hosen bei einer Wüstenwanderung unbedingt dazu.

Welche Farbe sollte Wüstenkleidung haben

Für Wüstenkleidung sind helle bis mittlere Farben oft am angenehmsten, weil sie sich in direkter Sonne meist weniger stark aufheizen. Beim UV-Schutz haben jedoch dunklere, kräftig gefärbte Stoffe oft Vorteile, weil sie mehr UV-Strahlung absorbieren. Das ist ein Grund warum Tuareg oft das klassische Indigoblau tragen.

Welche Materialien gut in der Wüste funktionieren

Neben der Farbe der Kleidung sind vor allem Material und Webdichte entscheidend: Ein dünnes Baumwoll-T-Shirt hat oft nur etwa Schutzfaktor  UPF 5, während dicht gewebte Funktionsfasern deutlich besser schützen; auch Leinen ist zwar luftig, aber je nach Gewebe oft UV-schwächer als moderne Funktionsstoffe. Es gibt mittlerweile viele Outdoorhemden aus Funktionsfaser mit ausgewiesenem UPF von 40-50. Für Wüstenreisen ist daher locker sitzende, dicht gewebte Kleidung in hellen Naturtönen meist der beste Kompromiss.

Warum Kopfbedeckung in der Wüste so wichtig ist

Auch hier können wir von Wüstennomaden lernen: Die Tuareg und Berber der Sahara tragen ein langes, kunstvoll gewickeltes Turbantuch, „Schesch“ genannt. Im arabischen Raum ist es der „Schemaq“ oder „Mussar“, der bei uns auch als Palästinensertuch bekannt ist. Wer ohne Kopfbedeckung durch die Wüste geht, wird schnell einen Sonnenstich bekommen. Und der ist kein Spaß! Also: In der Wüste immer etwas auf dem Kopf haben. Neben den Nomadenvarianten gehen natürlich auch Sonnenhut oder Funktionsschlauchtuch.

Was du in der Wüste für kalte Nächte und morgens brauchst

Viele Menschen denken bei Wüste nur an Hitze. In der Praxis werden oft eher die kühlen Stunden unterschätzt.

Wärmende Schichten

Wer zu Fuß in der Wüste unterwegs ist, sollte die passende Kleidung für heiße sonnenverwöhnte Tage ebenso im Gepäck haben wie für die kühlen bis kalten Nächte und Morgen. Es gibt ja keine Shopping-Tempel am Wegesrand und keine Hotels, in denen man sich neu ausstatten oder vergessene Teile der Ausrüstung zukaufen kann. Außergewöhnlich sind die hohen Temperaturunterschiede zwischen Tag und Nacht. Sie betragen in der Wüste nicht selten 25°-30°C Differenz. Deshalb ist das Schichtsystem (Zwiebelprinzip) unschlagbar: Mehrere dünne Schichten aus Unterwäsche, Hemd, Weste und Isolationsjacke lassen sich flexibel kombinieren und so an alle Erfordernisse anpassen.

Windschutz

Wir kennen das auch von zu Hause: 10 Grad fühlen sich bei Windstille ganz anders an als bei einer steifen Brise. In der Wüste ist es nicht anders. Tagsüber, während der Wanderung, freut man sich über jeden Windhauch, denn er kühlt und macht das Gehen deutlich angenehmer. Nach Sonnenuntergang jedoch, wenn die Temperaturen sinken, kann derselbe Wüstenwind spürbar auskühlen. Zum Glück sind Abende und Nächte in der Wüste aus thermischen Gründen oft windstill. Zur Sicherheit sollte man dennoch immer eine leichte Windjacke dabeihaben.

Welche Fehler viele in der Wüste machen

Gerade bei der ersten Wüstenreise tauchen ähnliche Fehler bei der Bekleidungsauswahl immer wieder auf.

Zu kurze Kleidung

Viele Reisende denken bei Wüste zuerst an große Hitze und greifen deshalb zu kurzen Hosen und T-Shirts. In der Praxis ist lange, leichte Kleidung meist die bessere Wahl. Sie schützt nicht nur vor Sonne, sondern auch vor Wind und Sand. Gerade beim Wandern in Dünen verhindert sie außerdem, dass ständig Sand in Schuhe und Kleidung gelangt.

Nur auf Hitze vorbereitet sein

Wer an Wüste denkt, denkt fast immer zuerst an Sonne und hohe Temperaturen. Was viele unterschätzen: In den frühen Morgenstunden, am Abend und in der Nacht kann es deutlich kühler werden. Auch Wind verstärkt dieses Gefühl spürbar. Deshalb gehört zu guter Wüstenkleidung immer auch eine wärmende Schicht für die kühlen Stunden.

Neue oder unpraktische Kleidung mitnehmen

Eine Wüstenreise ist nicht der richtige Ort, um neue Kleidung oder Schuhe zum ersten Mal auszuprobieren. Was im Alltag bequem wirkt, kann unterwegs scheuern, drücken oder schlicht unpraktisch sein. Bewährte, eingelaufene und funktionale Kleidung ist immer die bessere Wahl. In der Wüste zählt vor allem, dass alles zuverlässig sitzt und sich im Gehen bewährt.

Was du konkret für deine Wüstenreise beachten musst

Je nach Zielgebiet unterscheiden sich die Anforderungen an die Wüstenbekleidung immer etwas. Für Reisen in den Oman oder nach Mauretanien reicht meist ein leichteres Schichtsystem als für Wüstenreisen nach Tunesien, Marokko oder Algerien. Dort können die Nächte, besonders im Dezember und Januar, deutlich frisch werden, und auch tagsüber wird es dann oft nicht wirklich heiß. Die meist hoch gelegenen Wüsten Zentralasiens sind insgesamt kühler, sodass man dort beinahe dieselbe Kleidung einpacken kann wie für eine Wandertour in den Alpen.

Checkliste für deine Wüstenreise

  • lange, leichte Oberbekleidung
  • Sonnenschutz für Kopf und Nacken
  • warme Schicht für den Abend und nachts
  • eingetragene Wanderschuhe/ Wüstenstiefel
  • Sonnenbrille und Tuch gegen Wind und Sand

Wenn du eine Wüstenreise bei Puretreks buchst, erhältst du immer ein umfangreiches Informationsbooklet inkl. sehr detaillierter Packliste zu Ausrüstung und Bekleidung.

Jeromes Praxiserfahrung

Ich bin seit über 30 Jahren in Wüsten unterwegs. In der Praxis zeigt sich immer wieder, dass Gäste die Mittagshitze meist weniger unterschätzen als die Kühle am Morgen, am Abend und bei Wind. Gute Wüstenkleidung muss deshalb nicht nur luftig, sondern vor allem vielseitig und zuverlässig sein.

Kurz zusammengefasst

  • Lange, leichte Kleidung ist in der Wüste meist die bessere Wahl
  • Sonnenschutz und Windschutz sind entscheidend
  • Auch kühle Stunden gehören in der Wüste dazu
  • Ein gutes Schichtsystem (Zwiebelprinzip) ist wichtiger als möglichst wenig Kleidung

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Über den Autor

Wüstenexperte Jerome BlösserJerome Blösser ist Gründer von Puretreks und seit über 30 Jahren hauptsächlich zu Fuß in den Wüsten der Welt unterwegs. Auf mehr als 150 Wüstenreisen hat er praxisnahe Erfahrungen gesammelt, welche Kleidung für die Wüste optimal ist, was man unbedingt einpacken muss und was vielleicht auf „normalen“ Wandertouren gut funktioniert – in der Wüste mit ihren speziellen Anforderungen aber nicht.

Wenn du mehr über Jerome erfahren möchtest, dann besuche seine Portrait-Seite

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